Covid-19-Pandemie: Der SSR fordert Lockerungen auch f√ľr Menschen in Alters- und Pflegeheimen!

Der Bundesrat hat an seiner Sitzung vom 27. Mai 2020 weitere Lockerungsmassnahmen f√ľr die Bev√∂lkerung per 6. Juni 2020 beschlossen. An der Pressekonferenz vom 27. Mai 2020 wurde die Situation in den Alters- und Pflegeheimen, insbesondere f√ľr demente Bewohnerinnen und Bewohner, nicht angesprochen. Zu diesem Thema wurde leider auch keine Journalistenfrage gestellt.

 

Da die Umsetzung der Vorschriften betreffend Schutz vor Covid-19 in die Kompetenz der Kantone gehört wendet sich der Schweizerische Seniorenrat, SSR im Interesse vulnerabler Seniorinnen und Senioren an die GDK.

 

Seit dem 16. M√§rz 2020, nach der Erkl√§rung der ausserordentlichen Lage durch den Bundesrat, sind Bewohnerinnen und Bewohner von Alters- und Pflegeheimen in Isolation und konnten ihre Angeh√∂rigen h√∂chstens per Telefon oder via Internet kontaktieren. Sp√§ter wurde in einigen Institutionen sogenannte Besucherboxen eingerichtet. Auch in Alterssiedlungen konnten in einigen Kantonen die Bewohnerinnen und Bewohner ihre Wohnung nicht verlassen und durften keine Besuche empfangen. Wie zur Gen√ľge bekannt ist, f√ľhrten diese Massnahmen zu Vereinsamung und Depressionen. Insbesondere demente Bewohnerinnen und Bewohner litten unter diesen Massnahmen stark und die dementielle Erkrankung verst√§rkte sich zusehends.

 

Diese Massnahmen zum Schutz der Seniorinnen und Senioren konnte der SSR nachvollziehen. In diesem Zusammenhang dankt der SSR dem Pflege- und Betreuungspersonal in den Heimen f√ľr ihren unerm√ľdlichen Einsatz w√§hrend dieser schweren Zeit. Aber der Kontakt zu den Angeh√∂rigen konnte nat√ľrlich nicht ersetzt werden.

 

Nun hat aber der Bundesrat per 6. Juni 2020 die Lockerungen f√ľr die Bev√∂lkerung massiv erweitert. Leider wurden die Bewohnerinnen und Bewohner in den Alters- und Pflegeheimen dabei vergessen.

 

Wir stellen leider fest, dass nun die Lockerungsmassnahmen in den Kantonen sehr unterschiedlich umgesetzt werden. In einigen Kantonen besteht jetzt die M√∂glichkeit, dass Angeh√∂rige, selbstverst√§ndlich unter Schutzmassnahmen, ihre Verwandten besuchen k√∂nnen und dies nicht nur in Besucherboxen oder speziellen R√§umen sondern sogar in den Zimmern. In andern Kantonen sind die Besuchsregelungen immer noch so, wie w√§hrend der ausserordentlichen Lage. Dies ist unserer Ansicht nicht zielf√ľhrend und schwierig zu verstehen. Wir bitten die GDK daher dringend, sich f√ľr eine einheitliche kantonale Lockerung und Verbesserung der Besuchssituation ab 6. Juni 2020 einzusetzen. Uns w√ľrde auch interessieren was unternommen wird, dass bei einer n√§chsten Pandemie (oder Grippe) die Bewohnerinnen und Bewohner nicht mehr total isoliert werden m√ľssen und ob es vorgesehen ist, dass es eine psychologische Betreuung von traumatisierten Bewohnerinnen und Bewohner gibt.

 

Wir danken Ihnen f√ľr den Einsatz f√ľr eine wichtige Bev√∂lkerungsgruppe in den Alters- und Pflegeheimen, die oft von den Beh√∂rden vergessen wird. Diese Menschen haben f√ľr die Gesellschaft viel geleistet und haben nun auch das Anrecht, wie die √ľbrige Bev√∂lkerung nicht weiter eingeschlossen zu bleiben.

 

Mit freundlichen Gr√ľssen

 

Präsidentin:                                                   Co Präsident:

     

Bea Heim                                                   Roland Grunder

 

(Schreiben an GDK APH DE)