Massnahmen „Autofahren im Alter“: So nicht!

Modell „via sicura“: periodische ÜberprĂŒfung ja, Alterslimiten nein

Der Schweizerische Seniorenrat wehrt sich vehement gegen die zunehmende Pauschalierung mangelnder FahrtĂŒchtigkeit Ă€lterer Automobilistinnen und Automobilisten. Er fordert mehr Weiterbildung, zusĂ€tzliche Verkehrssicherheit und das Ausschöpfen der Möglichkeiten des Strassenverkehrsgesetzes sowie nötigenfalls eine Anpassung der Bonus-Malus-Systeme.
In einem Positionspapier zum Thema „Autofahren im Alter“ hat der SSR anfangs 2005 festgehalten: fĂŒr neue Strassenverkehrsvorschriften und PrĂ€miendifferen-zierungen dĂŒrfen nicht Altersgrenzen massgebend sein. Entsprechende Massnah-men stellen eine grundsĂ€tzliche Diskriminierung aller Ă€lteren Menschen dar, was aufs SchĂ€rfste zu verurteilen ist. Altersdiskriminierung steht im Widerspruch zur Bundesverfassung.
Statistiken sind keine Problemlöser fĂŒr das individuelle Fahrverhalten. Sie unterscheiden nicht zwischen TĂ€tern und Betroffenen. Besser sind zusĂ€tzliche Weiterbildung fĂŒr Automobilisten und ĂŒbersichtliche VerkehrsfĂŒhrungen auf Strassen und PlĂ€tzen.
Tausende von Ă€lteren Automobilisten begeben sich nicht aus Freude, sondern aus existenzieller Notwendigkeit in den Verkehr. Beispiel: auf dem Lande schliessen nahe EinkaufslĂ€den, worauf der öffentliche Verkehr oft nicht vorbereitet ist. Die Stras-senverkehrsgesetzgebung ermöglicht BeschrĂ€nkungen und Auflagen im FĂŒhrerausweis. Dies lĂ€sst sich ergĂ€nzen z.B. auf Fahrten nur im Umkreis von wenigen Kilometern wĂ€hrend bestimmten Zeiten. Der SSR beanstandet, dass die kantonalen StrassenverkehrsĂ€mter dieser Möglichkeit nicht Rechnung tragen. Gegen periodische Kontrollen durch Ärzte und Fahrlehrer ist auch hier nichts einzuwenden. FĂŒhrerausweise mit Auflagen sind nicht nur verkehrspolitisch sinnvoll, sondern auch volkswirtschaftlich zweckmĂ€ssig.
AuskĂŒnfte erteilen:

Arthur ZĂŒger, SSR-Ausschuss-Mitglied, Tel. 055 440 40 26, Fax 055 460 20 04

Angeline Fankhauser, SSR-Co-PrÀsidentin, Tel. 061 402 15 33, E-Mail a.fankhauser@intergga.ch

Positionspapier des Schweiz. Seniorenrates

·- Veranlasst durch Medienberichte ĂŒber die mangelnde AutofahrtĂŒchtigkeit Ă€lterer Menschen, mit Hinweis auf deren Demenzen und durch geplante MaÃƞnahmen des Bundesamts fĂŒr StraÃƞen bzw. des Departementes UVEK,

– in Kenntnis diverser Studien ĂŒber MobilitĂ€t und Alter (Bibliothek und Dokumentation Pro Senectute, ZĂŒrich)

– im Willen, jegliche Diskriminierung Ă€lterer und jĂŒngerer Menschen durch Lebensaltersgrenzen zu vermeiden

beschlieÃƞt der SSR als Politik zum Thema „Autofahren im Alter“ folgendes:

1. Die in der VZV* Art. 7 Abs. 3 Buchstabe b fĂŒr FĂŒhrerausweisinhaber festgesetzte Altersgrenze von 70 Jahren fĂŒr den Beginn der alle zwei Jahre obligatorischen Ă€rztlichen Kontrolluntersuchungen ist aufzuheben.
An ihre Stelle tritt ein Obligatorium fĂŒr alle Inhaber von FĂŒhrerausweisen erstmals 10 Jahre ab Erwerb des Ausweises mit Wiederholung im Normalfall alle 10 Jahre. Es ist Sache der Ärzteschaft, aufgrund der letzten Untersuchung die Frist bis zur nĂ€chsten zu verkĂŒrzen (vgl. Art. 7 Abs. 4).

2. Wer einer Verletzung der VRV** Art. 4 Abs. 5 („Der FahrzeugfĂŒhrer darf ohne zwingende GrĂŒnde nicht so langsam fahren, dass er einen gleichmÀÃƞigen Verkehrs-fluss hindert“) fĂŒr schuldig befunden wird, unterliegt ebenfalls der Kontrollunter-suchung. Art. 7 Abs. 3 Buchstabe c der VZV verlangt eine solche Untersuchung fĂŒr „MotorfahrzeugfĂŒhrer nach schweren Unfallverletzungen“.

3. Der gemÀÃƞ VZV Art. 7 mit der Ă€rztlichen Untersuchung betraute Arzt kann der Hausarzt des/der Fahrers/-in sein, sofern er hiefĂŒr besonders ausgebildet und von der StraÃƞenverkehrsbehörde anerkannt ist

4. Die medizinischen Anforderungen (VZV Art. 6 und Liste gemÀÃƞ VZV Anhang 1) werden auch fĂŒr Ă€ltere Menschen fĂŒr Erwerb und Besitz des FĂŒhrerausweises als umfassend und ausreichend erachtet.
5. In begrĂŒndeten FĂ€llen (mobilitĂ€tsbehinderte Personen, kein oder nur rudimentĂ€rer ÖV) wird die Abgabe eines FĂŒhrerausweises mit BeschrĂ€nkung auf Gebiete oder Zeiten als bessere Lösung als der Entzug des Ausweises erachtet.

6. Wichtig sind auch die Rahmenbedingungen fĂŒr Verkehrsteilnehmende (z.B. bessere Strassenbeleuchtung).

7. EuropĂ€ische Richtwerte sollten bei den Massnahmen mitberĂŒcksichtigt werden.

* VZV Verordnung vom 27.10.1976 ĂŒber die Zulassung von Personen und Fahrzeugen zum StraÃƞenverkehr

**VRV Verkehrsregelnverordnung vom 13.11.1962